Carl Orff und der Glaube (wird verschoben auf 25. Mai 2023)
Aus der Reihe: Musik.Wissen

Carl Orff und der Glaube (wird verschoben auf 25. Mai 2023)

Vortrag mit Bildern und Musikbeispielen

Dienstag, 29.03.2022, 19:00 Uhr
Pfarrheim Ampfing, St. Martin-Str. 3, 84539 Ampfing

Referent/in
  • Dr. Thomas Rösch, Musikwissenschaftler, Direktor Orff-Zentrum München Dr. Thomas Rösch
Kosten
Kosten: 8.00 €
Kursnummer
18721
Anmeldung
Anmeldung ist gesperrt
Reihe: Musik.Wissen
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Der gebürtige Münchner Carl Orff (1895-1982) wuchs in einem bürgerlich-liberalen, katholischen Elternhaus auf, vor allem seine Mutter Paula war sehr gläubig. In seinen Erinnerungen berichtet Orff von prägenden Kindheitseindrücken, die gerade kirchliche Feste auf ihn ausgeübt hatten. Zahlreiche Stücke im Orff-Schulwerk mit Bezug auf Weihnachten, Ostern und Pfingsten dürften darauf zurückzuführen sein.

Orffs gesamtes künstlerisches Schaffen mutet dagegen auf den ersten Blick ausgesprochen weltlich, ja sogar antik-"heidnisch" an. Eine Messe, ein Requiem, ein Oratorium oder eine Passion sucht man in seinem Werkkatalog vergebens. Zwar schrieb der Komponist ein Weihnachtsspiel (und die "Weihnachtsgeschichte"), ein Osterspiel und ein eschatologisches "Spiel vom Ende der Zeiten", doch das aus dem Neuen Testament bekannte Geschehen wird dort nie gezeigt, sondern lediglich in den Dialogen weltlicher Figuren gespiegelt. Nicht nur in diesen Werken wird deutlich, wie intensiv Orff sich mit den verschiedenen, insbesondere fernöstlichen Religionen, aber auch mit den orthodoxen Kirchen auseinandergesetzt hat.

Bemerkenswert ist schließlich, dass der - ungeachtet guter persönlicher Kontakte - der Amtskirche gegenüber kritisch eingestellte Carl Orff von der Katholischen Akademie 1974 mit dem Romano-Guardini-Preis ausgezeichnet und auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin in einer Seitenkapelle der Wallfahrtskirche in Andechs bestattet wurde. All diese Widersprüche belegen letztlich eindrucksvoll, wie sehr der vermeintlich ausschließlich dem Diesseits verhaftete Komponist und Theatermann doch in bislang ungeahntem Ausmaß sensibel und offen für metaphysische Fragen war, wie intensiv er lebenslang um den Glauben gerungen hat.

Kooperation
Kath. Kreisbildungswerk Mühldorf e.V.

Termine
Di, 29.03.2022 19:00 Uhr